Eine Integration von neuen Notf(a)ellchen in unser Rudel ist immer wieder nötig und verläuft auch immer etwas unterschiedlich.

Unserer Erfahrung nach ist es recht einfach, bis zu 3 Jungtiere (unsere Erfahrung zeigt dies bis zu 4 Monaten, ältere Jungtiere sind hier noch nicht eingezogen) ins bestehende Rudel zu integrieren. Zum einen scheinen ganz junge Tiere eine Art „Welpenschutz“ zu haben (was aber eigentlich nicht der Fall ist), zum anderen haben Jungtiere noch keine eigene Rudelhierarchie entwickelt und sich an diese gewöhnt. Wir haben sogar erlebt, dass sich ältere Ratten für die Jüngeren verantwortlich fühlen und Ersatzmama (oder -papa) spielen. Raufereien kommen hier eher davon, dass die Jungtiere spielen wollen, während die älteren mehr ihre Ruhe genießen möchten. Die Rangplätze sind schnell geklärt und ein friedliches Zusammenleben sehr gut möglich.

Mit der Übernahme eines bestehenden Rudels von ca 1,5 bis 2jährigen Rättinnen haben nun aber auch wir erleben dürfen, dass eine Integration auch anders verlaufen kann. Diese neuen Erfahrungen möchten wir Euch nicht vorenthalten.

Wie integrieren wir unsere neuen Mitglieder?

Das ist ganz einfach. Zuerst einmal werden die Neuzugänge (wenn vom Tierarzt gecheckt) in den gleichen Raum gestellt. Ein Kuscheln unserer Menschen mit der einen Gruppe und dann mit der anderen bringt die Gerüche beider Gruppen schon einmal näher, was Interesse weckt.

Das Austauschen von Nistmaterial (wir haben immer irgendwo etwas Stoff oder Küchenrolle im Käfig liegen) ist ein Anfang, um die Gerüche beider Rudel erneut

zu durchmischen. Auch haben beide Rudel im selben Gebiet Auslauf, wenn auch am Anfang natürlich nicht gemeinsam.

gemeinsames Zusammentreffen auf neutralem Boden

Dann beginnt die eigentliche Integration. Wir versuchen ein erstes Treffen auf einem NEUTRALEN Gebiet mit wenig Versteckmöglichkeiten (meistens die Wanne), um im Notfall eingreifen zu können. Dann wird beobachtet. Wichtig ist, dass kleinere Rangeleien (gesträubtes Fell, Umwerfen, Schreien, Treten) von unseren Menschen ausgehalten werden, damit wir in Ruhe unsere Ränge klären können. Allerdings sollte sofort eingegriffen werden, wenn das Ganze in eine blutige Beißerei ausartet. Dann sollten die Rudel getrennt und am nächsten Tag ein neuer Versuch gestartet werden. Hierbei ist die Dauer des Zusammentreffens wichtig. Wir halten uns dabei in etwa an das folgende Schema:

  • 1.-3. Tag: 5 Minuten gemeinsamer Zeit auf neutralem Gebiet
  • 4.-5. Tag: 10 Minuten gemeinsame Zeit auf neutralem Gebiet (inkl. einem großen Haus für alle)
  • 6.-7. Tag: 15-20 Minuten gemeinsame Zeit auf neutralem Gebiet (inkl. Haus und Leckerlis)
  • 8.-14. Tag: 30-60 Minuten gemeinsame Zeit auf neutralem Gebiet (inkl. Haus und Leckerlis)

Die Übergänge sind fließend und nicht statisch zu sehen. Es kann also auch vorkommen, dass wir an dem einen Tag länger zusammen sitzen, oder an einem anderen kürzer. Wichtig ist, dass wir nach Möglichkeit jeden Tag die Chance haben, zusammenzusein, um uns nicht wieder zu vergessen. An Wochenenden haben wir dies auch schon vormittags und abends probiert, oder gegen Ende die Zeit deutlich ausgedehnt, weil wir uns gemeinsam zum Schlafen hingelegt haben. Hier muss von Gruppe zu Gruppe abgewägt werden, wie weit man gehen kann.

Kommt es zu einer Rangelei, sollten die Gruppen sofort getrennt, und am nächsten Tag die gemeinsame Zeit wieder verkürzt werden. Hier ist viel Geduld und Durchhaltevermögen gefragt!

Die größte Schwierigkeit besteht wohl darin, 2 Rudel zu integrieren, die über 1,5 Jahre alt sind. Erstens haben sich dort schon feste Strukturen gebildet, zweitens stellt eine Neuordnung der Rangfolge für diese Tiere sehr viel mehr Stress dar und drittens haben Tiere dieses Alters eher schon ein paar Krankheiten (Tumore, Herz, Lunge), mit denen sie zusätzlich klar kommen müssen. Dann muss besonders vorsichtig integriert werden.

Um nicht immer mit allen Ratzeln die Integration gleichermaßen voranzutreiben, trennen wir auch schonmal die Rudel. Das heißt, dass wir zum Beispiel eine Ratz aus dem neuen Rudel zu den anderen setzen, oder umgekehrt. Oder wir lassen einfach nur 2 aufeinandertreffen. So kann man zum einen Tieren, die in Gesellschaft ihrer Gruppe dominant sind, etwas den Wind aus den Segeln nehmen, aber auch kranken Tieren den Stress eines Neuversuches ersparen. Auch bei bissigen und/oder menschenscheuen Tieren ist viel Vorsicht geboten. Das Eingreifen einer Menschenhand im Ernstfall kann hier schnell zu Bissverletzungen führen.

Überprüfung des Geruchs

Unsere Menschen haben immer eine Holzlatte in Griffnähe, um im Ernstfall schnell dazwischen gehen zu können, ohne selbst gebissen zu werden.

Geduld und Ruhe sind der Schlüssel zum Glück. Eine zu schnelle oder hektische Integration (sogenannte „Blitzintegration“) kann dazu führen, dass die zwei Gruppen nie zusammen finden und die Haltung von getrennten Rudeln (oder im schlimmsten Fall die Weggabe einer Gruppe aus Platzmangel) unumgänglich wird.

Während wir bei Jungtieren oft nach einer Woche die Integration abschließen konnten, hält uns das Zusammenführen zweier „Seniorenrudel“ gut auf Trab. Wir arbeiteten seit  22.06.11 an der Integration mit Teilerfolgen und Rückschlägen und konnten erst im April 2012 sagen, dass die Integration geklappt hat. Dazwischen sind allerdings auch einige Mitglieder verstorben, was die Integration wohl am Ende überhaupt ermöglichte.