Ratten bringen ihre Jungen meistens in der Nacht oder am frühen Morgen zur Welt. Unsere Lisa warf am späteren Abend.

Die Neugeborenen sind nackt und blind wenn sie zur Welt kommen – richtige Nesthocker eben. Das erste, was man von der Geburt mitbekommt, ist das Fiepen der Kleinen, die nach Muttermilch schreien oder sich um die Zitzen streiten.

Die Mutter kümmert sich rührend um die Kleinen. Sie putzt, säugt und wärmt sie. Ganz instinktiv weiß sie, was sie tun muss. Unser Halter muss hier nicht unbedingt eingreifen und helfen. Lediglich sollte in einem ruhigen Moment der Wurf nach Todgeburten oder Missbildungen durchsucht werden, damit diese entfernt werden können.

Wichtig dabei ist zu beachten, dass die Mutter ihr Nest bis aufs Blut verteidigt und besonders aggressiv und bissig sein kann. Deswegen sollte der ruhige Moment so gewählt sein, dass die Mutter im Freilauf ist und die Nestkontrolle nicht unbedingt „mitbekommt“ oder gar dabei ist. Denn diesen unnötigen Stress brauchen wir nicht. Die Kleinen Racker machen schon Stress genug…

Die Jungen entwickeln sich in der ersten Woche ganz rasant. Augen und Ohren sind zwar noch eine Weile geschlossen, aber bereits ab dem zweiten Tag kann man einen kleinen Eindruck der Zeichnungen bekommen, da die dunklen Stellen sich schon abheben.

Die ersten 4-5 Tage sollten die Jungen nicht angefasst werden, da es durchaus Mütter gibt, die ihre Welpen danach nicht mehr annehmen. Das Waschen der Hände in der Streu ist eine Möglichkeit, seinen Geruch zu überdecken, aber selbst das ist keine Garantie, dass die Mutter ihre Schützlinge danach auf jeden Fall auch weiter säugt.

Im Übrigen ist es wichtig, dass eine Mutter mit ihren Jungen viel Ruhe hat, denn sie steht unter Stress und es soll auch schon vorgekommen sein, dass eine gestresste Mama ihre Jungen tötet und auffrisst.

Nach der ersten Woche können die Kleinen schon an die menschlische Hand gewöhnt werden. Man kann sie vorsichtig herausnehmen, wenn die Mutter im Freilauf ist. Junge Ratten, die mit dem Geruch von Menschen aufwachsen, werden später handzahm und zutraulich.

Mit etwa zwei Wochen, wenn sich Augen und Ohren geöffnet haben, beginnen die Kleinen das Nest zu erkunden. Spätestens ab jetzt hat die Mama alle Pfoten voll zu tun, die Kleinen zusammenzuhalten. Sie beginnen bereits jetzt alles Lebensnotwendige zu erlernen, das sie später einmal brauchen werden.

Mit etwa drei Wochen haben die Kleinen ihr flauschiges Babyfell. Farbe und Zeichnung stehen nun fest. Der Körperbau enspricht nun voll und ganz dem „Kindchenschema“. Ein kleiner runder Kopf, kurze Gliedmaßen und eine flache Nase, die mehr einem Hund als einer Ratte ähnelt, prägen jetzt das Bild.

Jetzt beginnt der Trubel innerhalb des Käfigs. Die Kleinen klettern überall herum, erkunden jeden Winkel, spielen miteinander, toben, prügeln sich, putzen sich gegenseitig und nerven mit ihrem Spieltrieb auch gern einmal die Älteren. Die erste Aufnahme von fester Nahrung kann nun beobachtet werden. Aber noch immer sind die Kleinen auf ihre Muttermilch angewiesen.

Mit etwa vier Wochen werden die Kleinen endlich rattig. Sie bekommen jetzt ihre rattentypischen spitzen Nasen und ihre großen Ohren. Das Körnerfutter der Großen ist nun interessanter, denn die Mutter ist bereits dabei, ihre Kleinen zu entwöhnen.

In dieser Zeit erreichen die Mädchen die Geschlechtsreife. Bei den Jungen dauert es etwas länger bis die Hoden in den Hodensack gewandert sind.

Aber dies ist etwa ab der fünften Woche auch geschafft. Spätestens jetzt sollten die Jungen von den Mädchen getrennt werden, um weitere ungewollte Schwangerschaften zu unterbinden. Denn sie unterscheiden nicht zwischen Mutter, Schwester, Tante oder fremder Ratz.

Die Trennung von Mama und Jungtieren ist oft ein schwieriges Unterfangen. Sie sollten lang genug bei der Mutter bleiben (können), um wichtiges Sozialverhalten noch erlernen zu können. Gleichzeitig müssen sie aber auch getrennt werden, wenn die Jungen geschlechtsreif werden.

Der ideale Zeitpunkt liegt also irgendwo zwischen 4,5 und 5 Wochen bei den männlichen Ratzeln. Die Weibchen können ruhig 5-6 Wochen bei der Mutter bleiben, bis sie vermittelt werden können.